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Ultraschallgerät



Ab und zu kommt die Frage: "kannst du das denn auch ohne das Gerät? Also unser alter Tierarzt macht das ja ohne." Oder eben, dass jemand sagt, "die jungen Kollegen müssen das erst richtig können ohne Gerät und dann das nur zusätzlich lernen, weil so ein Ding ja auch kaputt gehen kann und dann stehst du da".



Tatsächlich:

Jo, es kann sehr vieles kaputt gehen, z.B. auch das Auto und dann steh ich da. Stimmt. Aber ich wette, dass der Kollege genauso doof dasteht, wenn sein Auto kaputt ist. Also kein Auto (oder andere motorisierte Verkehrsmittel) zu nutzen, weil was kaputt gehen könnte, bringt uns im wahrsten Sinne des Wortes "nicht weiter"... Scherz beiseite, ohne Ultraschall ist keine Option. Denn wir haben mit Ultraschall viel mehr Möglichkeiten als ohne. Wie mit dem Auto...

Es gibt ein paar technische Geräte, ohne die es heute einfach nicht mehr geht. Würde ja auch keiner sagen, "melken musst du auch ohne Technik können, weil die ja kaputt gehen könnte". Es ist menschlich unmöglich, 80 Kühe mit 30 Liter Milchleistung in einer Stunde per Hand auszumelken. Alleine. Das ging auch noch nie! Besonders gute Leute konnten 12, maximal 15 Kühe melken, aber die Leistung war damals auch noch ne andere.... Aus dem Techniklosen Stadium sind wir aus verschiedenen Gründen raus!


Es gibt Dinge (und zwar viele für den Tierhalter sehr interessante Dinge), die kann man nur mit dem Ultraschallgerät feststellen.

Zum Beispiel die Rückbildungskontrolle. Wie oft sehe ich noch Restmengen von Eiter, die so gering sind, dass sie wohl keiner zu Fuß gefunden hätte. Aber Eiter ist Eiter und den mögen Spermien ja so gar nicht.

Oder frühe Trächtigkeit. Warum ist das wichtig? Weil's natürlich um Geld geht.

Eine ungewollt leere Kuh kostet 5€ am Tag. Wenn sie besamt ist, wollte ich sie tragend kriegen. Also ist ab der ersten Besamung alles "gewollt" und ich muss die, die nicht tragend sind, einfach schnell finden. Da macht es schon einen Unterschied, ob ich mit 30 Tagen oder mit 45 die erste TU mache (15 Tage à 5€ sind 75€! Für EINE Kuh! Das läppert sich wenn ich 100 habe...)

Dasselbe bei Abort/Tod der Frucht, wenn ich das rechtzeitig sehe, kann es gleich weitergehen für die Kuh. Ein embryonaler Spätabort wird von der Gebärmutter ja auch wieder resorbiert, also warum nachhelfen? Weil die Resorption ein paar Monate dauert...


Stimmt das Besamungsdatum? Hat man ziemlich oft, dass es nicht stimmt. ZB, dass die Kuh doch von der ersten statt zweiten Besamung tragend geworden ist. Und spätestens fürs Trockenstellen und die erwartete Kalbung ist das doch gut zu wissen.


Zwillingsträchtigkeit? Zu Fuß wirklich schwer zu tasten, meist eher Glückstreffer wenn man das findet. Schätze 5% Chance. Mit US finde ich auch nicht alle, aber ungefähr 80%! Und auch das ist super hilfreich, wenn es ums Trockenstelldatum geht oder um ein bisschen Special Care um die Kalbung.


Es gibt Untersuchungen, dass geübte Menschen wie Tierzuchttechniker auf dem Eierstock nur mit 60%iger Sicherheit richtig liegen, wenn sie fühlen sollen, was auf dem Eierstock gerade los ist. Da war ich geschockt. Gibt sicher auch Leute, die mit dem Ultraschallgeräte nicht viel besser sind. Deppen hat man überall. Aber die Chance ist da! Die Möglichkeit, besser zu sein, ist viel größer. Man hat ja auch sicher die Überflieger, die ohne Schall gute Eierstocksdiagnostik machen und genau sagen können, was genau hakt bei der Kuh. Mit Schall ist es nur viel einfacher und weniger fehleranfällig. Und Fehler entscheiden in dem Gebiet halt schnell über Leben und Tod. Und immer wieder über kleine-mittlere Geldbeträge, die insgesamt aber viel ausmachen.


Und ein bisschen Spaß muss auch sein: man kann das Geschlecht vom Kalb feststellen, wenn man zwischen 2-3 Monaten guckt!


Außerdem geht's um Tierwohl (und meins!): Manuell untersuchen erfordert, die Kuh erstmal gründlich auszuräumen. Das bringt ihr keinen Spaß und für meinen Arm ist es unnötig anstrengend. Mit dem Ultraschall kann ich oft genug schnell unter dem Mist durch, mich umgucken und wieder raus, bevor der Darm verspannt. Wenn ich ein bisschen was schaffen soll pro Stunde und das ein Leben lang machen will, dann muss es Ultraschall sein.


Nebeneffekt: wenn ich das Ding eh grad da habe, sehe ich oft zufällig auch noch andere Dinge wie Lymphknoten, Niere oder Bauchfellentzündung. Und wir können die Beule an der Kuh auch noch schallen und den Labmagen undsoweiter. Habe auch schon Tumoren gefunden und Dinge, die es laut Literatur gar nicht gibt (Schleimansammlung in der Gebärmutter ist sowas, das kommt vor und ist laut meiner eigenen Auswertung gut in den Griff zu bekommen).


Für mich steht also fest: wenn ich dem Betrieb eine richtig gute Antwort geben soll, was in der Kuh los ist, dann brauche ich ein Ultraschallgerät. Gott sei Dank habe ich ja eins!



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